Herbststimmung

 
Wenn ich in den Garten geh,
Wo es herbstlich weht und rauscht,
All die gelben Blätter seh
Und das Herz im stillen Weh
Auf des Herbstes Stimme lauscht:
 
Sind die Schwalben fortgezogen!
In dem Schatten weht es kühl,
Auch die Stare sind verflogen,
In dem Nestchen wohl erwogen
Ist es einsam, leer und still.
 
Auf den Stoppelfeldern leuchtet,
Noch der Sonne später Glanz,
Und der frühe Tau befeuchtet,
Und im Moos der Tropfen leuchtet;
Spärlich wird der Mücken Tanz.
 
All des Sommers Blüten starben! - -
Reife Frucht fällt von dem Baum.
Von dem Felde alle Garben;
Schimmert`s noch in hellen Farben,
Durch den grünen Gartenzaun.
 
Blüten sind`s, im Herbst geboren,
Mitten in dem Ringsvergehe`n
Noch als Letztes auserkoren
Wie im stillen Traum verloren,
Ernst und schlicht die Astern steh`n.
 
Auf der Höhe jagt der Wind,
Ueber Kronen, Busch und Heide;
Wo die frische Quelle rinnt
Und am Busch die Spinne spinnt,
Grasen Kühe auf der Weide.
 
Wenn ich durch die Wälder geh
Wo es herbstlich weht und rauscht,
All die bunten Blätter seh:
"Dann das Herz im stillen Weh,
Auf des Herbstes Stimme lauscht". - -
 
© Maria Bornemann Bigge (Sauerland)
 

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