Abendlied

 
Nach des Tages heißer Schwüle,
Weht hernieder köstlich kühle
Abendluft; - - Wie erquikend
Ist der hauch; - - und nickend
Schlummern ein bei diesem Säuseln, Halm und Blüten.
 
Aus den Wiesen steigt es auf
Weiß und dustig: und hinauf
Windet es sich zu den Bäumen,
Eingehüllt soll alles träumen,
Was da wächst, was da blüht; eingehüllt und eingewiegt.
 
Abendglöcklein sind verhallt,
Still die Vögel in dem Wald;
Durch die Ruhe und das Träumen
Dringt vom Teich mit Weidenbäumen
Wind verschlagener Unkenruf durch das Schweigen.
 
Kühle linde Abendluft
Weht vom Garten Blütenduft;
In dem Strauch im Dämmerscheine,
Singt ein Vöglein noch alleine,
Froh und hell sein Abendlied.
 
Stiller milder Abendfrieden
Allen Sterblichen beschieden,
Nach des Tages Müh und Last;
Alle ladet ein zur Rast
Milder Abend!
Daß nach tages Schwüle er erquicke
Sinn und Herz!-
 
 
 
Abendfrieden
 
Was Du empfunden hast am lichten Tag:
Was Dir das Herz erschwerte
Und Deine Stirne kraust;--
Wenn Dir im Tagesmüh`n
Der Sirne Schweiß erpreßt!
Und in der Sonne Glut
Die braune Wange brennt:
"Es schwindet all
Vor Deinem milden Blick
Stiller Abend!
Wenn all die Wpfel schweigen
Und durch das Tal der Abendfrieden weht."
 
© Maria Bornemann Bigge

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